Brigantia Astaria
 


Der Orientalische Tanz im Mittelalter
 

Dieses Thema ist uns ein besonderes Anliegen.

Wenn man auf Mittelaltermärkten tanzt wird man häufig mit diesen Fragen konfrontiert:

„Mittelalter und orientalischer Tanz – was hat das überhaupt miteinander zu tun?“

„Passt das überhaupt ins europäische Mittelalter?“

„Gab es das damals schon, ist das authentisch?“

Die Antwort ist recht schwierig obwohl es fast auf der Hand liegt. Der Handel mit dem Orient blühte, es gab die Kreuzzüge, die Musik und die Instrumente hatten eindeutige orientalische Einflüsse – warum sollte der Tanz es nicht auch nach Europa geschafft haben!?

Zigeuner gab es auch, von denen man in der orientalischen Tanzgeschichte sagt, dass sie den orientalischen Tanz tanzten und auch verbreiteten. Auf einigen Gemälden und Abbildungen von Tänzerinnen aus dem Mittelalter, kann man
typisch indische Handgesten sehen.

Natürlich sind das bis dahin alles Spekulationen. Bei weiterer Nachforschung dieses Themas stellt man fest, dass es sehr schwer ist darüber etwas aus fundierten und anerkannten Quellen zu finden. Über Spielleute, insbesondere
über Spielfrauen wurde nicht viel festgehalten. Noch weniger über die Tänzerinnen.

In der Antike z.B. stößt  man viel häufiger über den orientalischen Tanz, der damals recht verbreitet und beliebt war und vom römischen Reich quasi importiert wurde.

Mit Einzug des Christentums verschwand er jedoch angeblich ganz aus Europa.

Bei Nachforschungen stolpert man aber dennoch hin und wieder über Angaben, dass es ihn gegeben hat – in Europa!

In dem Buch `Spielfrauen im Mittelalter` von Walter Salmen z.B. findet man
zwar relativ wenig, aber dafür recht eindeutige Hinweise.

Folgende Texte oder Inhalte entstammen diesem Buch: 

Verschiedene christliche Herrscher sympathisierten zeitweise mit der
orientalischen Kultur, wie z.B. der Staufenkaiser Friedrich II. (1212 -1250).
Er ließ sich Sängerinnen und Tänzerinnen zu seiner Unterhaltung vom sarazenischen Sultan schenken.

An seinem Hofe lebten zwei sarazenische Tänzerinnen, die mit Zymbeln in den Händen und auf rollenden Kugeln ihre Kunstfertigkeit darboten.

Auf Sizilien und Katalonien konnten, zeitlich begrenzt, christliche, muslimische
und jüdische Spielfrauen leben und Darbietungen geben. Sie vermittelten bereichernd viele Instrumente, Tanzpraktiken sowie Sing- und Spielgewohnheiten dorthin, die nicht den Normen der lateinischen Vorstellungen „de musica“ entsprachen und somit den Reiz des exotischen für sich hatten.

Die Kunstfertigkeit der Tänzerinnen standen in der besonderen Gunst mancher Sāsāniden, Abbāsiden oder Fatimiden. Deren Auftreten mit wehenden Schals,
mit Spiegeln, Gabelbecken oder Klappern, teilweise entblößt oder in eng anliegenden Kleidern war in Palästen ebenso gefragt wie in Harems oder Badehäusern. Diese Attraktivität reichte nach Sizilien und Spanien sowie bis ins südliche Frankreich, denn an einem Kapitell aus dem 12. Jahrhundert in der Kirche Notre-Dame von Serrabonne ist eine einen Bauchtanz vorführende, leicht bekleidete Araberin mit erhobenen Armen zu sehen, die mit dem Reiz
Ihres Körpers die Blicke auf sich zieht.

Solisten traten allerorten auf. Die geistlichen Herren ergötzten sich ebenso gern daran wie das gemischte Publikum auf Marktplätzen. Die Gäste von Fürstenhochzeiten entbehrten der Vorführungen von „Springerinnen“ ebenso wenig wie die Besucher von Handelsmessen oder jene Ritter, die sich zu Kreuzzügen in den Orient aufmachten (z.B. im Jahre 1229).  Das Spontane, die ausdrucksvolle Gebärde, der gewagte Sprung, der reizvolle Leib, das äquilibristisch Faszinierende zogen die Schaulustigen an. Beide Geschlechter, der „danzatore“ wie auch die „danzatrice“, wollten die auf sie gerichteten Augen fesseln. Einzelne machten daraus ein attraktives ambulantes Gewerbe mit zuweilen hohen Erträgen.

Die „Brücke“ oder der „Bogen“, den „Spagat“, Sprünge mit schnellen Fußbewegungen in der Luft, Tänze mit wehenden Schleiern oder mit auf dem Kopf balancierten Tanzgeräten waren aus der Antike ungebrochene Attraktionen für jung und alt. So erregten beispielsweise um 1200 Bewunderung „…spillute vil die nach heidnischem site ubten ir spehe trite nach ir art si spilden“ (Albrecht von Halberstadt).

Im Winter 1482 wurde in Danzig auf dem Artushof ein „tumler“ bestaunt, der spielte „im follen harnisch bey obents zeiten; vor den ratsstul sprang er den mordtssprung bey lichte vor einer tafelen vnd hatte zwey dyen auf seiner kelen“.

Tänzerinnen lockten damals, nicht nur in der Welt des Islam, mit den Reizen des entblößten Leibes im Sitzen, im Knien, Liegen oder Stehen, mit erotisierenden Bewegungen der Augen, des Kopfes, des Bauches und der Hüften. 

Zur wirksamen Verstärkung des optischen und akustischen Eindrucks bedienten
sie sich einer reichhaltigen Palette von Accessoires sowie Tanzgeräten.

Sie spielten Zymbeln, Kastagnetten oder Tamburin. Gewagt waren Auftritte mit Schwertern, durch die man sich hindurchwand oder auf deren Spitzen man balancierte.

Andere schwangen hell klingende Glöckchen oder ließen ihr üppiges Haar mitsamt wehenden Tüchern rhythmisch frei mitschwingen.

Eine in vielen Bildern dargestellte solistische Kunstform in Schautänzen vor den Tischen der Reichen, auf dem Jahrmarkt oder im Harem waren die geschmeidigen Ausdruckmöglichkeiten der Arme, Hände, Finger und Augen.

Auch die Rumpfbeuge oder komplette Brücke ist häufig zu sehen. 

Wir hoffen, dass damit viele Fragen beantwortet sind.

Natürlich wird man nie mit Sicherheit wissen wie der orientalische Tanz damals wirklich ausgesehen hat und wie authentisch die heutige Variante dazu im Vergleich ist, die ja in den letzten Jahrzehnten auch durch andere Tanzformen beeinflusst wurde. Aber das haben Künstler ja schon immer getan – sich auszutauschen, etwas dazuzufügen und weiterzuentwickeln, damals wie heute.

Und wer selber tanzt und ein gut entwickeltes Körpergefühl hat weiß, dass gewisse Bewegungen einfach so gehören wie sie sind und schon immer so gewesen sein müssen.  

Da uns dieses Thema brennend interessiert und wir natürlich nicht allwissend sind und nicht alle Bücher lesen können, freuen wir uns über jeden Hinweis eurerseits, um dieses Thema zu vervollständigen. Vielleicht schaffen wir es ja mehr darüber zusammenzutragen und diese Seite zu füttern. Wichtig ist uns nur, dass es sich dabei nicht um Theorien handelt, sondern um Fakten, am besten mit Quellennachweis.

Schreibt uns einfach eine e-mail wenn ihr etwas wisst, wir nehmen es dankbar entgegen.

Gehabt Euch wohl!

Alea & Mirimah